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Nachbearbeitung und Mastering von KI-Songs

Stems mit einer DAW nachbearbeiten und mastern

Müssen KI-Songs nachbearbeitet werden? Eine Frage, die mit Blick in die Zu­kunft praktisch nicht zu beantworten ist, da die KIs und deren Funktionsumfang stetig verbessert werden. Ausgehend vom Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrages im Sommer des Jahres 2026 trifft aber leider eines zu, es wird gefühlt mehr KI-Slop (KI-Spam) produziert, als für den Markt verträglich ist.
Wer aber seine eigenen kreativen Ideen mit Hilfe einer KI umsetzen möchte, wird einen Song nur dann nicht nacharbeiten, wenn er mit seinem Wunschsong rundherum zufrieden ist. Letzteres ist bisher nicht immer ohne Nachbearbei­tung erreichbar. Auf ein solches Beispiel werden wir in diesem Tutorial ein­ge­hen. Als DAW benutzen wir dafür das FL-Studio, doch ähnlich sollte es in jeder anderen DAW (Digital Audio Workstation) ebenfalls funktionieren.

Unser Wunsch war ein verträumtes Chancon über Paris, eine Sängerin in Be­glei­tung eines Pianos als Soloinstrument. Etwas Violine zur Abrundung, mehr nicht. In Suno wurde es nicht besser unabhängig von der Anzahl an Versuchen. Wei­ter­hin schwebte die Gesangsstimme nicht ruhig und verträumt über dem Piano, sondern lag gefühlt um drei bis vier dB zu laut über diesen.


Übersicht › Nachbearbeitung und Mastering:


Volume Automation

Bei der Nachbearbeitung wurden im ersten Schritt alle in Suno getrennten Stems in die DAW geladen, da­nach die Spur mit Drums entfernt. Warum Suno den letzten Teil des Prompts missachtete (No percussion, no ...), war und blieb für uns ein Rätsel.


Der Prompt:
Soft, dreamy intimate French chanson, Warm female vocals, Solo piano with a subtle, lyrical violin in the background, Very minimal, Slow tempo, No percussion, no orchestral arrangement, no additional instruments


Fl Studio - Automate Volume
 

Danach das Volumen der Spuren einpegeln. Dazu auf das kleine Symbol (Icon) am Anfang der jeweiligen Spur klicken, welches eine Wellenform darstellen soll, aber mehr an einem querliegenden Bauern vom Schachspiel erinnert. Im sich öffnenden Menü Automate Volume wählen.
Die sichtbar werdende Volumenlinie hat nun am Spuranfang und Ende einen An­fasser für die Maus, doch bei Bedarf können weitere gesetzt werden. Eine ähnliche Möglichkeit besitzen vermutlich die meisten DAWs und Filmschnitt­programme.

Fl Studio - Automate Volume
 

Wer lieber mit runden Werten arbeitet, kann, statt mit der Maus zu ziehen, mit einem Klick auf den jeweiligen Anfasser einen Wert eingeben und mit Enter be­stätigen. In unserem Beispiel senkten wir die Gesangsspur um -3,5 dB ab.

Fl Studio - Automate Volume
 

Hoch- und Tiefpassfilter EQ 2

Vor dem Mastering kann in einem Slot ein Fruity Parametric EQ 2 eingefügt und mit einem Preset ein Hoch- und Tiefpassfilter geladen werden. Die menschliche Stimme und die meisten Musikinstrumente kommen nicht unter oder über diese Grenzen. Eine Ausnahme bilden die tiefsten Töne eines Konzertflügels, einige große Orgelpfeifen, ebenfalls große Konzertharfen in den tiefsten Tönen, Kontra- und E-Bass, große Trommeln und Pauken, und noch einige andere Musik­instrumente.
Dem steht gegenüber, dass die menschliche Hörgrenze mit jedem Lebens­jahr­zehnt abnimmt, und im unteren Bereich bei einigen Instrumenten die tieferen Töne eher als Vibrationen wahrgenommen werden. Bei Trommeln und Pauken sogar als Druckgefühl oder als Erschütterungen spürbar sind.

Um zu gleichmäßigen Ergebnissen bei der nachfolgenden Messung zu kommen, daran denken, die Option "Lineare Phase" zu aktivieren. Der Grund, durch den Filter kommt es zu einer Phasenverschiebung, die Laufzeit einzelner Fre­quen­zen ändert sich und die Wellenform wird spitzer, wodurch der True Peak Wert steigt. Die aktivierte Option verhindert Phasenverzerrungen.
Auf der anderen Seite könnten sich Störgeräusche in diesen Grenzbereichen be­find­en, die durch einen Hoch- und Tiefpassfilter minimiert werden.

Fruity Parametric EQ2
 

Fruity Limiter COMP

Als Kompressor benutzen wir den vom Fruity Limiter, als obere Grenzbereiche die für YouTube durch eine KI gefundenen Werte. Bei Überschreitung der Grenz­werte wird der Loudness Normalizer von YouTube aktiv, was schlimm­stenfalls zu Verzer­rungen führen kann.
In einem konkreten Beispiel war bei einem neuen Song von einer ausländischen Sängerin der Chorus auf dem Handy leiser als die Solo-Gesangsstimme zu hören und dasselbe Video auf dem Computer abgespielt, klang der Chorus erbärmlich verzerrt. Stand Frühjahr 2026, möglich dass diese Probleme zwischenzeitlich von YouTube gelöst wurden.
Wie dem auch immer sei, halten wir uns an die Grenzwerte, können derartige Problemen von vornherein ausgeschlossen werden. Es sei angemerkt, andere Platt­formen haben noch niedrigere Grenzwerte, nach denen ein Creator sich er­kundigen sollte.

Zu den gewählten Einstellungen

Durch die Volumenreduzierung der Gesangsspur und der der Entfernung der Spur mit den Drums, bedurfte es nur noch einer geringen Kompression, um True Peak vom Loudness Meter unter -1 dB zu halten und Integrated Lufs nicht über -14 dB steigen zu lassen. Die gewählten Werte lassen sich somit nicht ver­all­gemeinern, dienen nur als Überblick. Letztenendlich wird jeder Nutzer mit der Zeit seine eigenen Erfahrungen sammeln, um zu den gewünschten Er­geb­nissen zu gelangen.

Damit der Kompressor aktiv werden kann, muss dessen Schwellenwert unter den Spitzenwerten des Eingangssignals liegen, im Beispiel –8 dB. Dieser Wert wird mit dem "THRESH"-Regler eingestellt.
Mit dem "RATIO"-Regler wird das gewünschte Kompressionsverhältnis einge­stellt, wobei bei einem Verhältnis von 1:1 noch keine Kompression erfolgt, bei 2:1 um die Hälfte bei Überschreitung des mit dem "THRESH"-Regler Wertes. In unserem Beispiel stellten wir auf einen Wert von 1.5:1 ein, was einem eher moderaten Verhältnis entspricht, wodurch der Kompression nicht durchgängig arbeit.
Die Feinjustierung erfolgte mit dem "KNEE"-Regler. Falls keine besonderen Ef­fek­te erwünscht sind, sollte der Wert für diesen Regler ebenfalls moderat ein­gestellt werden.

Testwerte bei Ratio unverändert 1.5:1 und Thresh -8 dB:

-50 % Knee - True Peak = -1.0 dB
0 % Knee - True Peak = -1.1 dB
50 % Knee - True Peak = -1.2 dB

Da sich die Werte für Integrated Lufs in einem ähnlich niedrigen Bereich ver­än­derten, beließen wir es dem untersten Wert. Wie bereits weiter oben be­schrie­ben, lässt sich nichts verallgemeinern. Soll keine abrupte Änderung, z.B. bei einer Gesangstimme, sich bemerkbar machen, ist ein weich eingestelltes Knee sich­er­lich oft die bessere Wahl.

Fruity Limiter Comp
 

Vergleichswerte vor der Splittung in Stems, Nachbearbeitung und Mastering:

Youlean Loudness Meter 2
 

Vorher-nachher-Hörprobe

Abschließend zwei Hörproben als Vergleich. Veröffentlicht haben wir dieses Chanson mit dem Titel "Entre lumière et poussière" (Zwischen Licht und Staub), außer als Hörprobe in diesem Beitrag und in einem Faden im Forum von Clavio.de, bis heute nicht.

Vorher

Nacher

Ein Grund für die bisherige Nichtveröffentlichung, für so ein Chanson muss ein passendes Video generiert werden, was wirklich ausge­spro­chen gut darauf ab­ge­stimmt ist, um einen Mehrwert zu bieten. Erst beides zusammen kann seine Wirkung entfalten. Falls wir noch eins erstellen, werden wir es hier einbinden.

 
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